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GEBURTS-FOTOGRAFIE

by Lissy Reitinger

Erinnere dich an diesen besonderen Augenblick für immer!

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EMOTIONALE ERSTE HILFE -

in der Schwangerschaft und nach der Geburt

Prävention, Bindungsförderung, Krisenintervention, Schreibaby-Begleitung, bei Schlaf-, Still- und Fütterproblemen, nach belasteter Schwangerschaft oder traumtischer Geburt, Trennung von der Mutter, bei untröstlichem Weinen, Überforderung und Hilflosigkeit.

SUSANNE PECINA

Tel. 0699 1146 1660

susanne.pecina@

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Joshua's Geburt bei uns zuhause

von Isabella Ulrich / Gründerin NATURAL BIRTH MOVEMENT

 

00.30 Uhr

Ich wache auf.  Gleich ist mir klar: Das sind Geburtswehen, die mich eben geweckt haben.  Sie sind genau so stark wie in den letzten Tagen, haben aber eine ganz andere Qualität.  Ich stehe leise auf und gehe zur Toilette.  Dort verliere ich einen ganze Hand voll Gelee-artigem, durchsichtigem Schleim.  Nach mehreren durchwachten Nächten und starken Vorwehen, ist jetzt für mich klar: Unser Baby macht sich auf den Weg.  Ich freue mich und gehe in die  Küche.  Ich mache mir einen Himbeerblättertee und gehe leise in der Küche auf und ab.  Ich spüre Vorfreude, bin aber ganz ruhig.  Ich streichle meinen dicken Bauch, und freue mich als ich mein Spiegelbild in der Glas-Balkontür sehe.  „Mein letztes Baby“, denke ich. „Ich darf das jetzt genießen.“  Ich entzünde Joshuas Lebenskerze, die ich schon vor Wochen für unseren kleinen Sohn angefertigt habe. 

01:30 Uhr

            Ich wecke meinen Mann Walter auf.  Die Wehen werden immer stärken und ich fühle dass ich nicht mehr alleine sein will.  Walter geht erst einmal ins Bad, und wäscht sich und putzt sich die Zähne.  Ich lehne mich über den Küchentisch und spüre dass auch diesmal, sehr ähnlich meiner ersten Geburt meines Sohnes Balthasar, die Wehen sehr im Rücken schmerzen.  Ich folge meinem Instinkt und hole mir die zwei Kirschkernkissen aus der Badezimmerschublade.  Ich drehe auch noch das Backrohr auf und lege die Kirschkernkissen  hinein.  Dann trinke ich Tee und gehe in der Küche auf und ab.  Als die Kissen heiß sind, lege ich eines auf meinen unteren Rücken, auf den Bereich, welcher bei jeder Wehe so stark schmerzt.  Bei der nächsten Wehe merke ich sofort: Der Schmerz im unteren Rücken ist mehr oder weniger weg!  Bei der Geburt meines ersten Kindes haben mich diese Schmerzen im Rücken fast den Verstand gekostet und ich habe Schmerzmittel gebraucht um sie durchzustehen.  „Hätte ich doch damals auch diesen Instinkt gehabt“, denke ich mir.  Hätte ich gewusst dass ein Kirschkernkissen reicht, und dass man sich damit Schmerzmittel erspart.  Wie so viele andere erstgebärende Frauen auch, habe auch ich bei meiner ersten Geburt meine Eigenverantwortung beim Check-In in der Klinik abgegeben.  Aber diesmal war alles anders.  Stolz auf meinen Erfolg und mit Erleichterung freue ich mich auf die nächste Wehe.  So schaffe ich das, denke ich mir.  Ich schiebe einen Stuhl vom Küchentisch zur Seite und lehne mich, auf die Unterarme gestützt, über den Tisch, und bewege mich rhythmisch hin und her.  Von einem Bein auf das Andere.

 

02:30 Uhr

            Walter entschließt die Hebamme anzurufen.  Ihm ist klar: Das ist kein Fehlalarm, auch wenn ich mir dieses Urteil noch nicht eindeutig zu fällen traue.  Zu oft habe ich es als Geburtsbegleiterin schon erlebt, dass Frauen starke Senkwehen als Geburtswehen interpretieren.  Die Abstände zwischen den Wehen liegen bei 2 min. oder weniger.  Ich hätte Ursula noch nicht gerufen, aber überlasse Walter diese Entscheidung.  Die Wehen sind stark und saftig, und fordern mich,  aber ich würde sie nicht als schmerzhaft bezeichnen.  Nur das Kirschkernkissen darf nicht fehlen.  Ohne die Wärme reißen die Wehen im Rücken.  Ich schicke Walter nach jeder Wehe um ein heißes Kissen.  Nach Walters Anruf macht sich unsere Hebamme Ursula sich sogleich auf den Weg.

03.15 Uhr

            Ich gehe zum Küchenfenster und öffne es.  Der Vollmond sieht so schön aus!  Zarte Nebelschleier verhüllen ihn teilweise.  Die Luft riecht nach Frühling.  Ich freue mich so dass ich heute mein Baby bekomme.  Morgen habe ich selber Geburtstag.  „Dieses Baby – diese Geburt – ist mein größtes Geschenk“, sage ich zu mir selbst. Draußen stürmt es und der Wind fegt mir ins erhitzte Gesicht.  Das tut gut.  Davor hat es zwei Tage durchgeregnet.  Der Bach vor dem Fenster hat sich in einen reißenden, lauten Wildbach verwandelt.  Plötzlich spüre ich wie mit der nächsten Wehe die Intensität der Wehenkraft enorm zunimmt.  Ich muss instinktiv  laut tönen um den Druck nach Unten zu ertragen, und am Ende jeder Wehe spüre ich das Bedürfnis, meinen Rücken ganz rund zu machen.  Ich schließe das Fenster und die nächste Wehe überrascht mich.  Sie ist so stark, fast gnadenlos, und nun mindert auch das heiße Kirschkernkissen den Schmerz nur bedingt.  Es ist immer noch erträglich, aber jetzt hätte ich gerne meine Hebamme bei mir. 

03.30 Uhr

            …und wie gerufen, erscheint in diesem Moment eine katzenhafte, unscheinbare Ursula an meiner Seite.  Ich habe sie nicht kommen sehen.  Sie war auf einmal einfach da.  Ganz ruhig und ohne jede Aufregung begrüßt sie mich.  „Hallo Isa.  Das kling ja schon super.“  Ich lege meine Stirn an ihre Wange und sage „Hallo.  Ich freu mich so dass du da bist“.  Kurz halte ich an ihrer Seite Inne.  Es ist schön dass Ursula jetzt da ist.  Und doch nimmt sie mir in diesem Moment nichts ab.  Das spüre ich ganz deutlich.  Dann kommt die nächste Wehe und ich bin schon wieder ganz weit weg von allem um mich herum.

            Nach einer gefühlten Ewigkeit sagt Ursula: „Wenn du mir sagst dass es für dich passt, kann ich mal nachsehen wie’s deinem Baby geht.  Ich töne noch ein paar Wehen, dann mache ich meinen Bauch frei und Ursula kontrolliert mit dem Top-Ton-Gerät wie es Joshua geht.  Die Herztöne sind ruhig und stark.  Mein Baby schläft.  Ein paar Wehen später lege ich mich entspannt auf unser Sofa nieder, und Ursula untersucht meinen Muttermund.  Ohne einen bestimmten Ausdruck meint sie: „Gut machst du das. Sehr schön.“  Das war’s.  Mehr hat sie nicht gesagt.  Und mit der nächsten Wehe bin ich wieder am Tisch, vorne übergebeugt, und wankt von einem Bein auf das Andere.  Ich lasse mein Becken instinktiv kreisen, ohne zu denken warum.  Wehe für Wehe nehme ich was kommt.  Ich bitte meinen Mann dass er mir Kakao macht.  Ich will einen heißen, starken, süßen Kakao!  Nach jeder Wehe belohne ich mich mit einem großen Schluck.  Ich schmecke den würzigen, süßen Geschmack, und es kommt mir so vor als ob das der beste Kakao ist, den ich je getrunken habe.  Ich bin ganz bei mir, und alles fühlt sich so intensiv an.  Eine sanfte Berührung meines Unterarms genügt, und bekomme eine Gänsehaut.  Ich entspanne mich ganz tief und gehe in mich.  Ich atme für mein Baby.  Mir bleibt nur ein kurzer Augenblick, dann kommt schon die nächste kraftvolle Wehe.  Ich töne und röhre was das Zeug hält.  Ich sinke auf den Boden und sitze mit seitlich abgewinkelten Beinen.  Ich denke nicht nach, lass mich einfach treiben, und wippe monoton vor und zurück.  Ursula und Walter holen mir abwechselnd heiße Kirschkernkissen.  Ohne den heißen Druck im Rücken halte ich die Wehen nicht aus.  „Heiß und fest bitte“, befehle ich immer wieder, und Walter muss lachen. „Zu Befehl!“ Walters Humor gibt mir Sicherheit. Er ist Pilot. Er würde nicht scherzen wenn er das Gefühl hätte hier ist irgendjemand in Gefahr.  Er gibt mir da Gefühl von Normalität.  Er ist mein Sicherheitsbarometer.  Wenn er entspannt ist, dann ist alles gut. So ringe ich mich von Wehe zu Wehe, und belohne mich nach jeder Wehe mit einem Schluck Kakao.   Als die Wehen sehr stark und schier unerträglich werden, spreche ich immer wieder laut vor mich hin: „Gut.  Ich schaffe das.  Ich kann das.  Nach der nächsten Wehe gönne ich mir einen Schluck Kakao.  Nur diese eine Wehe.  Dann kommt wieder eine Pause.“  Diese Selbstmotivation tut mir gut.  Ich spüre wie gut ich mich körperlich entspannen kann.  Nach jeder Wehe tauche ich ganz ab, bin völlig entspannt, als würde die Geburt immer nur während der Wehe stattfinden.  Zwischen den Wehen habe ich frei.  So lassen sich die Wehen aushalten.  Walter und Ursula breiten die vorbereiteten Unterlagen unter mir aus.   Sie legen das ganze Wohnzimmer damit aus, so dass ich mich überall hin bewegen kann, wenn ich das möchte.

Irgendwann zwischen 05.00 und 5.30 Uhr…

            Ich spüre dass ich am Ende einer jeden Wehe ein wenig nach unten Schieben muss.  Mein Körper kann gar nicht anders.  Ursula hört das und meint: „Musst du schon ein wenig nach unten Schieben, Isa?  Wenn du das Gefühl hast schieben zu müssen, gib dem Gefühl ruhig nach.“  Ursula sitzt ruhig am Tisch.  Sie hat ein paar Schreibsachen vor sich liegen und notiert sich von Zeit zu Zeit etwas.  Sie lässt mich ganz in Ruhe.  Sollte ich sie brauchen, ist sie da.

6.30 Uhr

            Ich will mich bewegen.  Ich gehe ein wenig umher, merke aber schon nach ein paar Schritten dass ich keine Position mehr finde, in der ich mich wohlfühle.  Die nächste Wehe überrascht mich.  Ich sinke auf die Knie und fühle tiefe Verzweiflung.  Diese Wehe schmerzt heftig.  Sie übermannt mich, und bringt mich völlig aus der Fassung.  Ich schreie statt zu tönen.  Das hilft gar nicht.  Ich atme hastig und schrei ganz laut: „Ich finde keine Position!“ Ich spüre Ursula neben mir.  Sie legt ihre Hand auf meine Rücken und gibt mir ein neues Kirschkernkissen.  Balthasar, unser 3jähriger Sohn erwacht.  Die letzte Wehe hat er nicht überhört.  Er freut sich so auf sein Brüderlein und will bei der Geburt unbedingt dabei sein.  Als Walter ihn kurz reinbringt, sitze ich ganz nackt seitlich auf dem Boden, an das Sofa gelehnt.  Balthasar sieht mich und weiß sofort: Hier ist er jetzt fehl am Platz.  Er will zur Oma.  Er läuft kurz zu mir und küsst mich mit den Worten: "Viel Glück, Mama...!"  Sein Blick ist verlegen.  Dann flüchtet er in die Garderobe.  Mittlerweile ist es draußen hell geworden.  Walter bringt Balthasar ins Nebenhaus zu seiner Mutter.

            Während Walter kurz weg ist, untersucht mich Ursula und verkündet, dass alles „ganz offen und weich“ ist.  Wenn ich das Gefühl habe schieben zu müssen, darf ich tun wie mir beliebt.  Ich liebe ihre Sprache.  Ich liebe diese Frau an meiner Seite.  Sie gibt mir ihren Unterarm als Stütze, denn die nächste Wehe zwingt mich in die Knie.  In diesem Moment platzt die Fruchtblase, und ich fühle wie sich Joshua’s Kopf durch den voll geöffneten Muttermund schiebt.  Der volle Druck der Wehe geht nun ungebremst nach unten und ich muss mich angesichts dieser Intensität übergeben.  Es ist schier unerträglich.  Man kann das gar nicht aushalten.  Ursula ist wortlos einfach da.  Ich lege meine Stirn gegen ihre und umklammere ihren Unterarm so fest ich kann.  Die nächsten beiden Wehen brülle ich aus Leibeskräften.  Ich lehne meinen verschwitzten Kopf an Ursulas Schulter und wimmere. Sie sagt „Ja.“  Ihre Nähe ist alles was ich brauche.  Ich weine.

Walter kommt zurück, und als er den Raum betritt fragt er: „Was ist los?“  Noch eben hatte er die kuschelige Isa vor Augen, doch jetzt war irgendetwas anders.  Sehr anders.  Mit der nächsten Wehe kommt er an meine Seite und Ursula und Walter stützen mich.  Ohne es zu wollen brülle ich aus tiefstem Herzen „Maaaaammmaaaaa!“  Ich will dass mich meine MUTTER in die Arme schließt, damit ich mich fallen lassen kann, damit ich geborgen bin, damit dieser Schmerz endlich aufhört…  Hoffnungslosigkeit.  Für einen endlos langen Moment empfinde ich tiefste Verzweiflung und Angst, dieser Situation nicht gewachsen zu sein.  Alles ist ruhig um mich.  Keiner nimmt mir diesen Moment ab, oder weg.  Es darf sein.   Und da spüre ich die Schwerkraft, die mich auffängt, und die mich sicher hält.  Ich werde ganz schwer, und fühle dass ich mich hingeben darf, und dass ich von einer allumfassenden Kraft aufgefangen und gehalten werde.  Die Wehen überrennen mich.  Ich gebe auf.  Ich werde ganz leise.  Jede Wehe lasse ich nun kampflos und unter stummen Tränen über mich ergehen.  Ich wehre mich nicht, lass mich einfach mitreißen.  Jede Wehe zwingt mich zu erbrechen.  Ursula hält einen roten Kübel vor mich.  Ich ächze in den Kübel, kann nicht mehr tönen.  Und da spüre ich wie ich nicht mehr am Boden sitzen kann.  Etwas drängt zwischen meine Beine.  Ich greife instinktiv an meinen Damm und spüre dass ich Stuhl verliere.  Ursula macht mich mit Feuchttüchern schnell sauber.  Walter sitzt hinter mir auf der Coach und versucht mich ein wenig hochzuheben, damit meine Beine unter meinem Körper hervorkommen können.  Ich verliere die Kontrolle über mich, kann mich nicht mehr selbständig hoch bewegen, und hänge irgendwie zwischen seinen Beinen.  Ich bin froh dass er mich stützt.  Es ist gut dass er da ist. Ursula kontrolliert noch einmal Joshua’s Herztöne.  Alles ist gut.  Das Baby ist ganz entspannt.

            Mein Körper schiebt mit aller Kraft nach unten.  Ich kann keinen Ton von mir geben.  Ich bin völlig willenlos – unkontrolliert - kann nicht anders als meinem Körper die Oberhand zu lassen.  Für einen kurzen Moment spüre ich ganz klar den  Widerstand zwischen Geburtskraft und meinem Selbst.  Ein Vakuum.  „Isa, hast du das Gefühl dass du dich quälen musst?“, fragt Ursula.  „Ja!“ 

            Ursula reicht mir ein Glas Wasser.  „Trink das.  Caulophylum- Urtinktur.“  Ich trinke.  Keine 30 Sekunden später erlebe ich das völlig Unerwartete, Erhoffte...

07.21 Uhr

            Instinktiv schließe ich die Augen.  Ich fühle keinen Wehenschmerz mehr, und mein Körper bäumt sich auf.  Ich spüre wie mich eine Kraft erfasst, die ich nicht beschreiben kann.  Als schiebe ein Orkan in mir nach unten.  Gnadenlos.  Ich spüre wie sich das untere Ende meiner Wirbelsäule nach hinten wegbewegt und wie sich Joshua durch mich hindurch schiebt.  Es fühlt sich gewaltig an, und nicht zu halten.  Ich muss gar nichts tun, und beobachte voll Ehrfurcht, wie mein  Körper fern ab jedes Verstandes und jeder Kontrolle, die Führung übernimmt und dieses Baby aus mir herausschiebt.  Es ist ganz leise im Raum, und es ist wunderschön.  Noch fühle ich wie meine Vagina weiter und weiter und weiter wird.  Es brennt wie Feuer und ich spüre den Fluss abwärts.  Mit der nächsten kraftvollen Wehe spüre ich eine Erleichterung, und der Druck ist weg.  Ich öffne die Augen und sehe Joshuas Kopf zwischen meinen Beinen.  Freude.  Unfassbar wie schnell das ging.  Ursula sitzt in etwa einem Meter Entfernung vor mir und lächelt.  Sie fasst mich nicht an.  Sie lächelt nur und sagt ganz ruhig: „… das Köpfchen ist schon geboren.“  Von Oben blicke ich an mir hinab und sehe wie sich das Köpfchen langsam dreht.  Dann wird eine Schulter geboren.  Langsam die Nächste.  Jetzt kommt eine weitere Wehe, und langsam, ganz ohne Druck, gleitet Joshua aus mir hinaus.  Er liegt zwischen meinen Beinen, und ich hebe ihn auf meinen Schoß.  Ursula hilft mir dabei, und bedeckt Joshua mit einem warmen, weichen Tuch.  Ich zittere am ganzen Körper und kann Joshua nicht richtig stützen.  Er liegt kräftig schreiend auf meinem Bauch, und ich werde ergriffen von tiefster Freude.  Endlich ist er geboren, mein Sonnenschein!  Ich war so gerne schwanger mit diesem Baby.  Ich versuche ihn höher zu meinem Gesicht zu ziehen und küsse sein nasses Köpfchen.  Ich rieche den Geruch meiner Gebärmutter, so sahnig, süß und zart.  Ich liebe diesen Geruch.  Er ist für mich der ultimative Geruch von Reinheit und Liebe. Ja. So riecht Mutter-Geruch und Geborgenheit.  Niemals möchte ich das abwaschen!  Ich beschnuppere Joshua und schließe ihn tief in mein Herz.  Aber ich spüre ich muss ihn jetzt noch einmal loslassen.  Ich kann ihn noch nicht annehmen.  Etwas hält mich zurück.  Ich bin noch nicht fertig.  Walter durchtrennt die auspulsierte Nabelschnur und nimmt Joshua an sich.  Joshua wird in ein vorgewärmtes, kuschelweiches, rote Handtuch gewickelt und ruht jetzt mit neugierigen Augen in Walters Armen, der noch gar nicht fassen kann was er soeben erlebt.  Er verliebt sich grade in seinen kleinen Sohn…

            Ich spüre einen durchdringenden Schmerz am Ende meiner Wirbelsäule.  Ich weiß nicht was gerade mit meinem Körper geschieht, aber er fühlt sich unwohl an, und mir wird speiübel.  Ich spüre Hitze und Kälte zur selben Zeit in meinem Körper.  Ich fühle dass ich mich aufrichten will, aber mein Körper folgt mir nicht so recht.  Ich kann mich nur ganz langsam und mit Ursulas Unterstützung aufrichten.  Ich gehe in eine kniende Hocke und versuche die Plazenta sanft rauszudrücken indem ich die Luft anhalte und drücke, als würde ich groß aufs Klo gehen.  Es klappt.  Die Plazenta hat sich gut gelöst und wird mit der nächsten Wehe geboren.  Ich sinke erschöpft in mich zusammen, und ich spüre wie die Übelkeit und das Unwohlsein augenblicklich nachlassen.  Ursula zeigt mir die große, fleischige Plazenta.  Sie hat mein Baby all die Monate am Leben erhalten.  Sie ist herzförmig.  Ich staune.  Mein Baby und ich hatten eben im Bauch schon „eine herzvolle Verbindung“ denke ich.  Jetzt kommt mir das erste wirkliche, erschöpfte Lächeln über die Lippen.  Ich hab’s geschafft.  Ich habe mein Kind aus eigener Kraft geboren.  Und es war eine kraftvolle und würdevolle Geburt.  Ich fühle mich jetzt müde aber gut, und sehe Walter voll Genuss unseren Sohn wiegen.  Er lächelt ihn an.  Dann sieht er mich an.  Ich geselle mich zu den beiden auf unser Sofa und betrachte unseren kleinen Sohn.  Er sieht aus wie mein kleiner Bruder.  Welch ein Geschenk! 

            Ich fühle mich noch ganz wackelig und wund, und meine Beine tragen mich kaum.  Ich rolle mich auf der Coach zusammen.  Ich nehme Joshua in den Arm und er beginnt sofort nach meinem Busen zu suchen.  Ich lege ihn an meine Brust und er beginnt sogleich gierig zu trinken.  Dieser Augenblick ist für mich Gnade.  Dafür lebe ich. Ich bin für so etwas geschaffen.  Ich kann ein Kind empfangen.  Ich kann es gebären.  Und ich kann es nähren, damit es gedeihen kann.  Was gibt es Schöneres im Leben?  Es war so ein großer Akt der Hingabe und es hat sich so sehr ausgezahlt.  Ich bin so stolz auf mich.

8.00 Uhr

            Walter holt Balthasar von den Großeltern und wir begrüßen gemeinsam mit ihm den kleinen Bruder.  Er ist sofort verliebt in den kleinen Kerl.  Die beiden Brüder sehen einander an und mustern sich gegenseitig interessiert.  Balthasar ist so liebevoll zu Joshua.  Wer hätte das gedacht.  Sein unbändiges Temperament weicht brüderlichem Beschützerinstinkt angesichts dieses winzigen Zwerges.  Wir machen unser 1. Familienfoto zu viert und sind so erleichtert dass alles gut gegangen ist.

            Joshua wird von Ursula untersucht und gewogen.  3500g und 50cm.  35cm Kopfumfang.  Ich habe einen kleinen Dammeinriss und Ursula versorgt ihn.  Er muss nicht genäht werden und tut auch gar nicht weh.  Ich gehe kurz duschen. Ursula begleitet mich.  Ich bedanke mich bei ihr für ihre liebe Unterstützung bei der Geburt.  Ursula steht vor der Dusche und sagt: „Ich habe nichts gemacht, Isa.  Das warst du ganz alleine.“ In der Dusche blicke ich an mir nach unten und liebe meinen Mama-Körper.  Er hat ein Wunder vollbracht.  Ich streichle meinen Bauch, der jetzt wieder mir gehört, und ich bin ergriffen davon, was er gerade geleistet hat.  Ich muss weinen.  Ich bin unendlich dankbar.  Ich war nicht immer gut zu mir und meinem Körper.  Das tut mir jetzt leid.  Mein Körper ist wunderbar.  Ich wasche mich und merke dass meine Vagina und mein Damm richtig wehtun.  Ursula meint eine  Kompresse mit Heilerde hilft gut, und Ihr Rat war Gold wert!

            Ich esse noch ein Honigbrot und trinke noch eine Tasse heißen Kakao.  Dann kommen schon die Großeltern, die Walter zu uns rüber eingeladen hat, und wir  heißen gemeinsam das neue Familienmitglied willkommen.

            Ursula besucht mich täglich und kümmert sich mehrere Stunden pro Tag liebevoll um mich und meinen kleinen Sohn.  Das Stillen klappt nach anfänglich wunden Brustwarzen super, und wir genießen die ersten Tage zu viert in vollen Zügen.  Und ob man’s glaubt oder nicht: Der Wunsch nach einem weiteren Kind beschleicht mich schon wenige Stunden nach der Geburt.  Ich fühle eine nie zuvor gespürte Kraft in mir!

 

Fünf Monate später…

Für mich ist es unfassbar, wieviel die einzelnen erlebten Momente für mich bedeuten, und wie umfassend sie zu meinem Muttersein beitragen.  Vor allem der Moment der völligen Verzweiflung und der Ohnmacht - das Getragen werden und das Sich-vertrauensvoll-fallen-lassen-dürfen.  Meinem Kind ist es bei der Geburt wahrscheinlich ähnlich ergangen.  Mir geht es als Mutter fast täglich so, und ich weiß ich darf zweifeln und verzweifeln, und es ist gut!  Am Ende spüre ich die Schwere, die mütterliche Kraft, die mich trägt.  Ich bin so dankbar dass während dieser Geburt kein funken Zweifel aufgetaucht ist, ob es meinem Baby oder mir gut geht, ob alles in Ordnung ist.  Meine Hebamme hat mir zu jedem Zeitpunkt durch ihre Ruhe, ihre Stille und ihre untätige Anwesenheit, das Geschenk der Zuversicht gemacht.   Meine Kinder brauchen diese Eigenschaft der Zuversicht an mir, um wachsen zu können.   Es ist alles gut.  Auch wenn die Geburt keine Ordnung hat, und wenn man ganz und gar nicht ok ist, wenn man sie durchlebt.  Am Ende geht man so reich und erfüllt aus diesem Wandlungsprozess hervor, den man bei Zeiten glaubt nicht bewältigen zu können.  Und man schafft es.  Unfassbar.  Es ist wohl das größte Geschenk das mir das Leben gemacht hat.  Ich sehe meine Kinder an, und empfinde eine Freude für die ich keine Worte finde.  Ich weiß, ich gehöre jetzt zum Kreis der Mütter.  Etwas ganz besonderes prägt uns:  wir haben uns ganz und gar selbst hingegeben, damit wir unseren Kindern das Leben schenken.  Ich wünsche mir für unsere weibliche Würde, dass immer mehr gebärende Frauen diesen Tribut als freiwillig und selbst gegeben ansehen, und nicht als genommen und eingefordert, wie viele Frauen ihn erleben, wenn dieser Prozess würdelos abläuft, und sie sich  ausgeliefert, bloßgestellt und entfremdet fühlen.  Sie alle sind deshalb nicht weniger Mütter, doch bleibt eine innere Kraftquelle unerschlossen, aus welcher jene Frauen schöpfen können, die all ihre vermeintlichen Grenzen überwunden haben, und aus eigener Kraft über sich hinausgewachsen sind.

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